Wohin zuviel Geborgenheit führen kann, habe ich in #4/Teil 1 und #4/Teil 2 dargestellt. Häufiger jedoch erleben wir das Gegenteil: Eine Tantramassage fühlt sich für sexuell traumatisierte Menschen nicht geborgen genug an.

Wie können wir eine Tantramassage noch geborgener gestalten? Damit beschäftigt sich dieser Text.

Überlebende von sexuellem Missbrauch sehnen sich zutiefst nach neuen und heilsamen Erfahrungen in Bezug auf Körper und Berührung. Manchmal fühlen sie sich aber so unsicher angesichts einer Tantramassage, dass sie sich kaum überwinden können, dieses Körper-Ritual auszuprobieren.

Wir brauchen nicht viel Fantasie, um nachzuvollziehen, welches Wagnis eine Yonimassage nach sexuellem Missbrauch ist. Allein der körperlich direkte Kontakt, die liebevolle Atmosphäre, der sinnliche Fokus, … all das spricht direkt zu unserem Trauma. Und diese Dynamik wollen wir ja auch gerne nutzen, um die Prägungen durch eine traumatische Vergangenheit aus unserem erwachsenen Leben zu waschen.

Für neue, lebendige und kraftvolle Erfahrungen im Tantra brauchen wir ein stabiles Fundament aus Geborgenheit.

An welchen Stellen können wir im Verlauf einer Tantramassage (noch) mehr Geborgenheit kreieren?

Meiner Ansicht nach können wir dafür in 4 Bereichen einer Tantramassage ansetzen.
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In #4/Teil 1 habe ich dargestellt, wie mächtig Geborgenheit auf die Dynamik eines Traumas wirken kann und wie wichtig es ist, dass wir in der Begleitung solcher Prozesse bewusst und aktiv Geborgenheit dosieren können.

Und wie dosieren wir Geborgenheit?

Indem wir uns selbst und unsere Klientin während der Massage immer wieder aktiv und bewusst „an die Oberfläche“ bringen, in unser ganz gewöhnliches Tagesbewusstsein hinein. Wir setzen nicht alles auf die Karte der Geborgenheit. Wir bieten quasi Ablenkungen an, damit sich unsere Klientin nicht in inneren Dynamiken verliert. Dazu gehört alles, was alltäglich, gewöhnlich, zugänglich – also ganz und gar untantrisch:-) – ist: reden und zuhören, als würden wir plaudern. Sich im Raum umschauen. Mitteilen, wohin unsere Gedanken gerade gewandert sind. Erlebnisse erinnern, die einfach, spielerisch und fröhlich waren. Und einen weichen, liebevollen Humor behalten. Weiterlesen

Kann es „zuviel Geborgenheit“ geben? Eigentlich nicht. Ebenso wenig, wie es zuviel Freude, zuviel Liebe oder zuviel Glück geben kann.

Sind wir in Gefilden von Trauma unterwegs, kann viel Geborgenheit jedoch „zuviel“ auslösen.

Wenn wir uns mit einem anderen Menschen außergewöhnlich sicher und geborgen fühlen – wenn wir intim und friedlich werden und all das erleben, was wir glaubten, im Trauma verloren zu haben… kann das Paradies in einen Alptraum umschlagen. Eben noch waren wir selig, endlich, nach all den Ängsten und Kämpfen, sind wir im Körper, atmen weich und verbunden an der Haut unserer Partner, spüren das Leben in unseren Zellen und den Frieden im Raum. Plötzlich, einen zeitlosen Augenblick später, strömen Bilder in unser Bewusstsein, wir verlieren die Orientierung, wir rutschen dem kostbaren Hier und Jetzt aus den Händen und fallen in einen Strudel aus Panik, Verwirrung und Ohnmacht.

In einem relativen Sinne also doch: „Zuviel Geborgenheit“ ist möglich.

Woran liegt das? Weshalb hat ausgerechnet etwas so Schönes und Lebenswichtiges wie Geborgenheit eine so starke Triggerwirkung auf ein Trauma? Weiterlesen

Im #3/Teil 1 ging es darum, wie leicht wir Traumata unterschätzen können – und welche Auswirkungen das hat auf das Thema „Grenzen setzen“. Hier geht es um zwei weitere Themen in diesem Zusammenhang: „Dissoziation“ und „Zeichen von Heilung“. Und um Möglichkeiten, diese Aspekte in Begegnungen mit uns selbst und anderen Menschen zu integrieren.

Viel Spaß beim Lesen!

2.) Dissoziation:

Dissoziation, also die Abspaltung vom eigenen Körper, ist eine der wesentlichsten Spuren, die sexueller Missbrauch in den betroffenen Menschen hinterlässt. Die überwältigende Angst und die Verstörtheit, die aus dem Verrat von Vertrauen entstehen, führen nahezu immer zu der Überlebens-Strategie, das Erleben des Körpers zu betäuben, zu verlassen und manchmal lebenslang zu vergessen. Weiterlesen

Traumaforschung ist für mich pure Lebensforschung. Ich habe es im vorherigen Text schon erwähnt: All unser hartnäckiges, widersprüchliches, getriebenes, unglückliches, sehnsüchtiges Verhalten enträtselt sich, sobald wir uns selbst mit einem traumaspezifischen Blick betrachten.

Leider sind wir eine zutiefst naive Gesellschaft in Bezug auf Trauma. Wir alle unterschätzen Trauma. Wir unterschätzen, wie sehr es uns, unsere Kultur, unsere alltäglichen, unauffälligen Gewohnheiten, Muster, Konzepte und Werte geformt hat und täglich formt. Der traumaspezifische Blick wird uns also nicht leichtgemacht…

Wenn es um intime Berührungen geht (sagen wir mal: um eine Yonimassage), dann kommt uns unsere kulturelle Berührungsangst mit dem Thema Trauma teuer zu stehen. Dann kann es uns an einem natürlichen Gefühl für die traumaspezifischen Dynamiken mangeln, die eine Frau nach sexuellem Missbrauch belasten. Weiterlesen

In der Einleitung zum Thema habe ich dargestellt, dass verschiedene Aspekte auf die Begegnung von Tantra und Trauma einwirken. Hier findest du die Ausführung zum ersten möglichen „Stolperstein“: dem sexuellen Fokus bei Missbrauch.

Denn je wacher wir für diesen Punkt sind, desto geborgener und fruchtbarer können wir tantrische Elemente nutzen, um unseren erotischen Raum zu erweitern. Viel Spaß beim Lesen!

I. Der sexuelle Fokus bei sexuellem Missbrauch

SEX. Wo das Wort „Sex“ steht, starren alle auf: „Sex“.

Wenn es um sexuelle Traumata geht, ist diese Angewohnheit ein Fehler. Wo „sexuelles Trauma“ steht, sollten wir „Trauma“ anschauen, nicht „sexuell“.

Warum?

Weil sexueller Missbrauch in erster Linie als ein Trauma funktioniert und heilt, nicht als eine Fachfrage in Sachen Sex. Natürlich erleben wir die Auswirkungen von sexueller Heilung auch im Sex, aber dennoch liegt dieser Veränderung eine Traumaheilung, keine „Sexheilung“ zu Grunde. Weiterlesen

Wir Frauen kennen 101 Gründe für Sex. Ebenso können wir 101 Gründe haben, um eine Tantramassage zu bekommen… Vielleicht geht es uns dabei um Genuss, um sexuelles Neuland und um tolle Orgasmen, vielleicht um Selbstbestimmung, um „richtig viel Zeit für mich“, Spiritualität… oder – ja: um Heilung. Um sexuelle Heilung.

In dieser Artikelserie möchte ich auf Frauen eingehen, die sich für tantrische Massagen interessieren, um sexuelle Wunden aus ihrer Kindheit zu heilen.

Diese tantrischen Settings und Yonimassagen können bezahlt oder in einem privaten Rahmen stattfinden, beispielsweise in einer Partnerschaft. Seitdem die Abläufe und Techniken einer Yonimassage in hervorragenden Büchern und Anleitungen offen zugänglich sind, wird auch „die private Tantramassage“ immer häufiger. Ungefähr die Hälfte der Berichte, die ich für die Artikel hier zusammenfasse, stammt von Frauen, die Yonimassagen in einer Partnerschaft ausprobiert haben, nicht in einem Tantramassage-Studio.

Natürlich haben beide Versionen – privat und bezahlt – ihre Vor- und Nachteile. Um die Auseinandersetzung der Methoden zu fördern, spreche ich im Folgenden von „Klientin“ und „Tantramasseurin“ und hoffe, dass sich in dieser Vereinfachung dennoch alle möglichen Konstellationen wiederfinden.
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Heilung ist vergleichbar mit dem Säen und Ernten auf einem Feld. Es ist ein organischer, körperlicher, „irdischer“ Prozess, der schon viele Millionen Jahre lang funktioniert hat, bevor die ersten Menschen auftauchten. Heilung ist etwas, mit dem sich die Natur und unsere Körper bestens auskennen – sie ist eine alte, große Kraft, auf die wir uns unbedingt verlassen können. Wir legen den Samen in die Erde, indem wir uns nach Heilung sehnen, und ohne Zufall und ohne Zauberei wird das Leben dafür sorgen, dass wir eines Tages ernten können.

Die Erde, wenn wir sie Erde sein lassen, weiß von selbst, wie sie die Pflanzen wachsen lässt. Das müssen wir der Erde nicht beibringen. Und ebenso müssen wir unseren Körpern nicht erst beibringen, wie sie sich von Traumata erholen. Selbst schwere Schocks, selbst Vergewaltigungen, Verrat und Missbrauch können von unseren Körpern transformiert werden, so dass wir aus entsetzlichen Wunden stärker hervorgehen, als wir einst in sie hineingestolpert sind. Weiterlesen

Nichts, gar nichts bezeichnet das Dilemma von „uns modernen Frauen“ so gut wie die Sehnsucht nach unserer Wut, während wir sie gleichzeitig fürchten. Wir wissen ja genau, was wir unter der Maske des Lächelns und der Einsicht verbergen… „Dann würde ich alles kleinschlagen – wenn ich an meine Wut komme, würde ich alles kaputtmachen.“ Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört? Irgendwann habe ich nicht mehr gezählt.

Offenbar reden viele Frauen sich ähnliche Horror-Szenarien ein für den Fall, Weiterlesen