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Slow Food – Slow Sex

#Sexualität

Essen und Sex sind zwei urmenschliche – urnatürliche – urgesunde Elemente in unserem Leben als Körper. Sie verursachen und bedingen unsere Existenz, und sie schenken uns Nahrung und Liebe, bis wir sterben. Also könnte mal wieder alles so schön sein…

Doch irgendjemand jedoch hat uns da Stress ins Nervensystem geträufelt. Oder? Jedenfalls einen Wimpernschlag später schon finden wir uns vor einem Spiegel wieder, der nicht nährt und nicht liebt, sondern der zeigt, wie sehr wir hungrig sind. Wer sensibel ist, wer sich am Tisch und im Bett nicht abspeisen lassen will mit Fastfood, landet in einer qualvollen Ernüchterung: Was wirklich mir, meinem Bauch und meinem Schoß entspricht, das hat mir niemand so richtig beigebracht.

Und so bleibt mir nichts Anderes übrig, als meinen Rucksack zu packen mit dem Wenigen, was ich behalten möchte, und mich auf den Weg zu machen. Angewiesen auf die hungrige Stimme in mir, und angewiesen auf glückliche Findungen.

Erster Schritt: Langsamer gehen! Und noch langsamer.

Es ist ein tolles Projekt. Aber ich komme nur langsam voran. Essen – was ich ja seit geraumer Zeit schon kann – verliert seine Routine. Und Sex zu haben ist nicht mehr das Feld, auf dem ich mich auskenne. Ich will alles vergessen dürfen, was ich gelernt habe. Ein fürchterliches Projekt. Hatte ich denn von nichts eine Ahnung?

Mir dämmert: Sowohl unsere Aufregung rund um die ultimativ beste Ernährung als auch die Jagd nach dem besten Orgasmus aller Zeiten (welcher natürlich mir gehören soll) stehen dem Zeithaben diametral entgegen. Im Namen der Göttin: Wem oder was gehorchen wir so sehr, dass wir den eigenen Genuss ihm opfern?

Unser aller Tempo im Essen, im Sex, im Zurechtkommen überhaupt hat seine Gründe. Es ist nicht nur ein Mangel an Information, es ist vor allem eine körperliche Taubheit, die uns dient. Denn die Alternative zu Taubheit ist im ersten Moment immer unser Schmerz.

Unser ureigener Schmerz darüber, Sehnsüchten irgendwann nicht länger gefolgt zu sein und Intuitionen irgendwann nicht länger gelauscht zu haben. Und das wissen wir auch. Selbst wenn wir nicht wissen, dass wir das wissen: wissen wir es nur umso besser.

Zweiter Schritt: Schmerz zulassen. Meinem Umlernen nicht im Wege stehen.

Unser Essen zu verlangsamen ist in sich ein unbedingt langsamer Prozess. Unseren Sex zu vertiefen, braucht Zeit. Denn unterwegs werden wir weise werden müssen. Und nein, es hilft nichts: Wir werden zärtlich mit uns werden müssen.

Die Phasen wechseln sich ab, die Bücher, die Gespräche, Meinungen und Versuche. Krisen folgen auf Durchbrüche und Höhenflüge folgen auf Enttäuschungen und Angst. Und in all dem wird mir klar: Essen und Sex schauen auf das Herz des Lebens selbst.

Ich lese mich querbeet durch das Wissen so vieler kluger Menschen, und überall schauen Essen und Sex auf das Herz des Lebens selbst. Endlich purzeln die guten Nachrichten in mein Leben. Du meine Güte, ich hatte ja keine Ahnung. Warum ist das so schön? Warum ist das so unverschämt schön?

Dritter Schritt: Glück zulassen!

Wenn wir mit einer Wissenschaftlerin im Labor stehen und den Stoffwechsel lebender Zellen erforschen, beschreiben wir Rhythmen und Pulse, von denen auch eine Tantrikerin spricht. Wenn wir mit einer Physikerin gemeinsam an ihren Formeln rechnen, ergeben sich plötzlich die gleichen Messungen bei Menschen, die mit Essen glücklich sind, wie bei Menschen, die im Sex zu leuchten beginnen. Wenn wir frühkindliche Phasen der Entwicklung beobachten, wenn wir über die Schleimhäute unserer Körper lernen, Magnetismus erforschen, uns für die elektrischen Impulse in unseren Membranen interessieren und wenn wir statt all der Forschung einfach unsere eigene Selbstliebe vertiefen… überall fließen Essen und Sex ineinander, bedingen und beeinflussen sich gegenseitig. Jede Zelle reagiert auf Stress im Sex ebenso wie auf Stress im Essen, und wenn sich das Thema beruhigt und Frieden findet, so nähren sich die Zellen hier wie dort, werden ruhiger, kraftvoller, widerstandsfähiger und… glücklicher.

Nicht nur fühlbar, sondern auch messbar, nicht nur bei mir, sondern eindeutig in einem jeden Körper, der lebt: glücklicher.

In den Zellen satt zu sein, ist eine neue, eine unerwartete Erfahrung. Sie betrifft mein Finden im Essen ebenso wie mein Finden im Sex.

Plötzlich, als sei ich durch eine unsichtbare Tür getreten, erlebe ich Sättigung. Ich erlebe, wie sich die alten Häute aus Unruhe, aus Angst und Suche lösen und wie mein Leben in eine Vielfalt von Erleben taucht. Die Konzepte und Erwartungen fallen Schleier um Schleier von meinem Körper und ich mache die Augen zu, lege meine Ohren an die Lippen meines Körpers und lausche.

Essen und Sex sind innig vereint. In Äonen von Jahren haben sie einander unendlich tief durchdrungen. Sie sind hineingeschmolzen in den Körper des Anderen und ich frühstücke endlich mal wieder im Bett und lege Kissen in unserer Küche bereit.

Lasst uns gemeinsam langsam werden. Lasst uns weiter atmen, wenn wir weinen müssen, lasst uns weitergehen, wenn wir umlernen müssen.

Und dann lasst uns aushalten, glücklich zu sein.

©Ilan Stephani
www.kalis-kuss.de
www.101mosh.com

https://ilanstephani.com/wp-content/uploads/2025/01/Ilan-Stephani-Logo-1000px.png 0 0 Ilan https://ilanstephani.com/wp-content/uploads/2025/01/Ilan-Stephani-Logo-1000px.png Ilan2015-02-22 10:12:072025-04-22 10:30:59Slow Food – Slow Sex
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Ilan Stephani ist eine Somatische Mystikerin, Bestseller-Autorin, sprudelnde Ideen-Quelle und liebevolle kulturelle Störfrequenz.

Sie widmet sich den Themen Embodiment, Gesundheit, Trauma, Sexualität und Mystik, um individuelle und kollektive Veränderung zu unterstützen.

Ilan erlangte Bekanntheit mit ihren Bestsellern »Lieb und Teuer« und »Finde Deine sexuelle Kraft – Die Elemente der Ekstase«.

Ihre KörperForschung teilt sie online und live, sowohl in Deutsch als auch in Englisch.


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